„SCHEISS BUNDESLIGA“ ist keine Anstandsverletzung

Die Wiener Polizei verhängte über einen Rapid-Fan eine Strafe von 300 Euro. Der Vorwurf: Er hätte vor ein Werbebanner der Bundesliga ein Transparent mit dem Wortlaut „SCHEISS“ angebracht und dadurch den öffentlichen Anstand verletzt. Mit Hilfe der Rechtshilfe Rapid erhob der Fan erfolgreich Beschwerde gegen das Straferkenntnis.

Foto Scheiss Bundesliga Banner

Anlass für das Protesttransparent war eine über den Block West verhängte Sektorsperre der Bundesliga am 7.4.2018. Aufgrund dieser wich der Block West in den Gästesektor des Weststadions aus. Um ihren Unmut über diese verhängte Kollektivstrafe zum Ausdruck zu bringen, überklebten Fans einen Sponsorenschriftzug eines Wettanbieters, womit vor dem Sektor „SCHEISS BUNDESLIGA“ zu lesen war. Die Landespolizeidirektion Wien war der Auffassung, dass es durch „das Montieren [...] zu einer nicht tolerierbaren Herabsetzung der Würde und des Ansehens der österreichischen Bundesliga“ kam.

Als Rechtshilfe Rapid vertreten wir die Ansicht, dass Kritik an öffentlichen Institutionen und Einrichtungen, sei sie auch plump formuliert, zulässig sein muss. Des Weiteren bestritt der Fan auch, dass er derjenige war, der das Transparent aufgehängt hat. In Kooperation mit Mag. Matej Zenz von der Kanzlei Grilc Vouk Škof wurde Beschwerde an das Verwaltungsgericht Wien erhoben und der Beschwerde auch Folge gegeben. Das Verwaltungsgericht verwies in seinem Urteil auf eine ebenfalls mit Hilfe der Rechtshilfe Rapid erwirkte Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs zu einem Transparent mit der Aufschrift ACAB („All Cops Are Bastards“).

„Die Äußerung ‚Scheiss Bundesliga‘ sollte primär auf die kritische Haltung der Fans gegenüber der Bundesliga hinweisen und die Ablehnungshaltung gegenüber der Bundesliga pointiert und provokant zum Ausdruck bringen“, so das Verwaltungsgericht.

Kritik an der Bundesliga äußerten auch wir immer wieder. So kritisiert die Rechtshilfe Rapid seit langem die willkürlichen und außerhalb der österreichischen Justizsystems geführten Stadionverbotsverfahren der Bundesliga sowie deren Umgang mit Daten. Fairerweise möchten wir aber betonen, dass diese Strafverfügung von einem „prominenten“ Polizeibeamten ausgestellt wurde und dies - soweit wir wissen - nicht auf Bestreben der Bundesliga passierte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dass die LPD Wien Revision an den VwGH erheben wird, bezweifeln wir jedoch.

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