Pyro im Stadion: Das Innenministerium setzt auf Kriminalisierung

Da ist sie also wieder: Die Pyrotechnik-Diskussion. Die schwarz-blaue Regierung hat ein eigentlich gelöstes Streitthema neu angeheizt und gibt sich dabei besonders destruktiv.

Es braucht an dieser Stelle nicht näher auf die Bedeutung von bengalischen Fackeln als Stilmittel der Fanszene eingegangen werden. Diese haben die österreichischen Fanszenen in diesem Jahrzehnt bereits ausführlich erläutert. Außerdem haben die organisierten Fans bereits am Samstag selbst zum Thema Stellung bezogen. Uns als Rechtshilfe Rapid interessieren in dieser Debatte vor allem die rechtlichen Aspekte sowie deren Konsequenzen für den SK Rapid und seine Fans. Dennoch lohnt es sich, einen ausführlichen Blick auf die Entwicklung der Diskussion über die letzten Jahre zu werfen, um die gegenwärtigen Argumente politischer Vertreter besser einordnen zu können.

Worum geht es eigentlich?

Seit geraumer Zeit (in Hütteldorf seit etwa einem Jahr) wird in den heimischen Fußballstadien per Ausnahmegenehmigung gezündet. Bengalische Fackeln werden für Heimfans angemeldet und eine Reihe von behördlichen Vorgaben eingehalten: Abstände, gekennzeichnete Zonen, Anzahl und Art der Produkte sind dabei die wesentlichsten Kriterien. Dazu gibt es sogar bauliche Vorkehrungen und bereitgestellte Behältnisse mit Sand, mit denen im Notfall gelöscht werden kann. Die etablierte Lösung funktioniert sehr gut und stößt sogar auf das Interesse anderer europäischer Länder. Horrende Summen an Verbandstrafen für den SK Rapid gehören dadurch der Vergangenheit an. Und auch wir sparen uns ebenso wie die Behörden viel unnötige Arbeit.
Vertreter der Regierungsparteien und aus dem Innenministerium fordern nun einen sofortigen Stopp dieser Ausnahmegenehmigung. Wir können nur vermuten: Die aktuelle Lösung war zu gut, es gab keine Zwischenfälle und es wurde zu ruhig um ein Thema, das in der Vergangenheit stets als Beweis für die „Gewaltbereitschaft“ von Fußballfans diente. Gewalt und Pyrotechnik? Ja in der Tat, so alt wie die Diskussion zu diesem Thema, ist auch das Argument der Kritiker, Fans würden durch das Zünden von bengalischen Fackeln Gewalt ausüben. So konstruiert auch der aktuelle politische Vorstoß, dass Pyro die negativen Emotionen verstärkt und letztlich zu Gewalt führt. Abenteuerlich wie wir finden, wo doch bis auf den einen oder anderen dummen Böllerwurf (z.B. auf den damaligen Rapid-Goalie Georg Koch), kein Fall von missbräuchlicher Verwendung mit Verletzungsfolge in Erinnerung blieb.

„Fahnen statt Böller“ als freiwillige Selbstbeschränkung

Pyrotechnik ist seit Jahrzehnten ein Teil der Stadionkultur. Mal gab es Zeiten, in denen mehr gezündet wurde, mal weniger. Im Jahr 2008 war ein solcher Höhepunkt. Böller, Leuchtstifte, massig Rauch und eben Fackeln. Es brannte lichterloh. Die unkontrollierte Verwendung von vor allem höherklassigen Pyroprodukten durch fanszenefremde Personen veranlasste die aktiven Gruppen im Dezember 2008 zur Aktion "Fahnen statt Böller". Der Aufruf klappte, die Handlungsfähigkeit und Vernunft der viel gescholtenen Ultraszene war eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Verschärfung des Pyrotechnikgesetzes 2010

In Österreich wird schon lange nicht mehr faktenbasiert über Sicherheitspolitik diskutiert. Viel zur sehr eignet sich das Thema zur Mobilisierung der Wähler. Daher ist es für entsprechende Parteien ganz besonders wichtig, Bedrohungsszenarien aufrecht zu erhalten oder gar zu konstruieren. Das erleben wir aktuell genauso wie im Jahr 2010, als die damalige Innenministerien Maria Fekter eine massive Verschärfung des Pyrotechnikgesetzes in Begutachtung schickte und letztlich durch den Nationalrat brachte. Die Kampagne "Pyrotechnik ist kein Verbrechen" war die Folge und die heimischen Fanszenen verbündeten sich nach langer Zeit wieder hinter gemeinsamen Interessen. Die Kampagne schlug große Wellen, wurde auch international aufgegriffen und schaffte es, eine andere Meinung auf das Thema in der Öffentlichkeit zu verankern. Das Gesetz bzw. dessen Novelle konnte die Kampagne freilich nicht verhindern. Ein Strafrahmen von 436 bis 4360 Euro ist seitdem pro Fackel Realität. Selbst das Mitführen pyrotechnischer Gegenstände in der Sicherheitszone ist seitdem strafbar. Ein gutes Beispiel für den Wahnsinn, der durch dieses Gesetz entstand, lieferte das Abschiedsspiel des SK Rapid im alten Gerhard-Hanappi-Stadion. Strafen von 800- 1200 Euro für eine Fackel waren schon zuvor gelebte Realität. Bei diesem hochemotionalen Spiel (wohlgemerkt kein Pflichtspiel) wurden aber die „Vergehen" einzeln nach Minuten herausgerechnet und die Strafen addiert. Das macht dann bei vier Fackeln für eine Person satte 4500 Euro (ein dreifaches Monatseinkommen im konkreten Fall)!

Pyrotechnik ins Strafrecht?

Wieder vergingen einige Jahre. Nicht zuletzt durch die Gründung der Rechtshilfe Rapid ging die Zahl der Anzeigen und Verurteilungen deutlich zurück, auch die Stadionverbote wurden weniger (Grund dafür: zuvor gab es falsche Anschuldigungen, Verwechslungen, unverhältnismäßige Strafen, kurz: Willkür). Das rief erneut jene auf den Plan, die der Kriminalisierung von Fußballfans beharrlich das Wort reden und auf Kosten dieser Gruppe Politik oder honorige Polizeiarbeit betreiben. Daher wurde vor nicht allzu langer Zeit der Strafrechtsparagraph „Gefährdung der körperlichen Sicherheit" ausgegraben, um Pyrotechnik nun auch gerichtlich zu verfolgen. Dieser Versuch kommt dabei nicht aus dem nichts, sondern wurde von Polizeijuristen gezielt vorbereitet und von offensiver Medienarbeit der Polizei begleitet. Die ersten Verfahren hierzu laufen immer noch, wir hoffen auf einen positiven Abschluss.

Das Thema Pyrotechnik im Stadion steht seit Jahren im Zentrum falsch verstandener Sicherheitspolitik. Die Diskussion dient der Begründung eines nur marginal vorhandenen Gewaltproblems in Österreichs Stadien. Sie dient der bedingungslosen Kriminalisierung von Fußballfans und entfernt sich - je länger sie geführt wird - mehr und mehr von der eigentlichen Faktenlage. Weder bei illegaler Verwendung noch bei legaler Verwendung im Zuge der Ausnahmegenehmigungen gab es Zwischenfälle mit körperlichen Schäden. Argumente wie die gesundheitlichen Risiken von bengalischen Fackeln wurden in diesem Text gar nicht erwähnt, weil sie auch gar nicht ernst genommen werden können und völlig zynisch sind. Sie beweisen nur, wie weit sich Politik heute für jede noch so billige Schlagzeile hergibt.

Wir sind es leid, das Fußballfans der Spielball einer öffentlichen Diskussion auf niedrigstem inhaltlichem Niveau sind. Wir wollen einen gerechten und ernst gemeinten Diskurs auf Augenhöhe. Wir fordern daher den Weiterbestand und die Weiterentwicklung der Ausnahmegenehmigungen in Österreichs Stadien.

Hausverbote im neuen Zuhause

Es wird wieder ruhiger in der Feuerzeug-Affäre rund um das letzte Wiener Derby. Wir wollen daher die Gelegenheit nutzen, um ein wenig von unserer Arbeit in den vergangenen Wochen zu berichten. Das ist uns auch deshalb so wichtig, weil wir erkennen müssen, dass immer wieder eine kritische Frage an uns gestellt wird: „Warum setzt ihr euch für diese Leute ein?“

Die Rechtshilfe Rapid kämpft seit jeher für eine faire Behandlung von Fußballfans gegenüber Verein, Liga, Polizei und Justiz. Dabei ist es für uns nebensächlich, ob jemand ein Fehlverhalten an den Tag gelegt hat oder nicht – alle sollen gerecht behandelt werden. Der SK Rapid hat sich nach den Vorfällen beim Derby dazu entschlossen, selbst aktiv Hausverbote zu verteilen und die Daten der Betroffenen weiterzuleiten. Angetrieben vom „öffentlichen Druck“ ist dabei offensichtlich einiges schief gelaufen. Anhand von vier von uns bekannten Fällen können wir an dieser Stelle ein differenziertes Bild skizzieren, das so manchem Kritiker die Augen öffnen könnte:

Fall 1: Als die ersten Briefe an die ausgeforschten „Täterinnen und Täter“ versendet wurden, meldete sich Herr L. (Name der RHR bekannt) bei uns. Er habe ein Hausverbot für 2 Jahre bekommen, sei von den Kameras ausgeforscht worden. Er selbst beteuerte, dass es sich um eine Verwechslung handeln müsse, weil er ganz sicher nichts Verbotenes gemacht hat. Kurzerhand entschlossen sich zwei Aktivisten der Rechtshilfe Rapid mit dem Verein Kontakt aufzunehmen. Anhand des vorliegenden Videomaterials sollte im Beisein von L. die Wahrheit herauszufinden sein. Gesagt getan. Der Termin war schnell vereinbart, der Irrtum wurde bestätigt. Man muss an dieser Stelle festhalten, dass sich der Verein besonders fair verhielt und den Fehler sofort einsah. Ob sich die Liga, an welche die Daten weitergeleitet wurden, auch sofort so einsichtig zeigt, wollen wir hoffen. Wissen tun wir es nicht und es wird bestimmt weitere Korrespondenzen und damit Zeit und Energie brauchen, um den Irrtum auch dort aufzuklären. Gut, Fehler passieren wird man jetzt sagen. Sehen wir auch so. Die sofortige Sanktionierung ohne Vorsprache zeigt aber sehr deutlich, wie sehr sich der SK Rapid bereits vor den Karren des gegen den Block West geifernden Mobs spannen ließ. Zumindest die Chance zur Stellungnahme hätte man gewähren können.

Fall 2: Herr Z. meldet sich per Mail. Auch er hat wie alle anderen zwei Jahre Hausverbot bekommen. Der Grund: Ein Becherwurf. Herr Z. beteuert, dass es sich um einen leeren Bierbecher handelte, den er im Sektor stehend gegen das Schutznetz warf. Aufgrund der - wie man sich denken kann - beschränkten Flugeigenschaften eines leeren Plastikbechers erreichte dieser nie das Feld. Mit den Wurfgegenständen im Eckfahnenbereich hatte dieser sowieso gar nichts zu tun. Das Spiel beginnt also von vorne. Die Rechtshilfe vermittelt für Herrn Z. beim Verein und auch diese Geschichte bestätigt sich. Zwei Jahre Hausverbot für einen leeren Plastikbecher? Unsere Intervention war auch hier erfolgreich und der SK Rapid lenkte ein. Die Entscheidung des Senat 3 bleibt abzuwarten.

Fall 3: Frau M. schildert uns diesen Fall: Sie habe ebenso vom SK Rapid ein Schreiben bekommen. Zwei Jahre Hausverbot. Auch sie spricht von einer Verwechslung, erzählt uns aber, dass sie bereits selbst die Initiative ergriffen hatte und in einem Termin beim Verein das Missverständnis ausräumen wollte. Sie selbst beschreibt uns den Termin wie ein Verhör, in dem zwar die Einsicht reifte, dass es Frau M. nicht gewesen sein konnte, sie aber die wahre Täterin kennen musste. Frau M. wurde unter Druck gesetzt, dass ihr Hausverbot nur aufgehoben werde, wenn sich die echte Schuldige beim Verein meldet.
Das geschah dann auch. Frau H. meldete sich und beteuerte, dass sie den Fehler sehr bereue, sie stark betrunken gewesen sei und es nun aber nicht mehr rückgängig machen könne und die verhängte Strafe akzeptieren werde.
Frau M. bat die Rechtshilfe Rapid im Zuge ihres Schreibens Frau H. bei einem etwaigen Gespräch mit dem Verein zu begleiten, da sie für ihre Bekannte eine solche Situation, wie sie sie erlebt hatte, vermeiden wolle.

Fall 4: Zwei Tage später meldet sich Herr P. aus Oberösterreich. Das Spiel beginnt von vorne: Zwei Jahre Hausverbot aufgrund eines Wurfgegenstandes. Herr P. sieht eine Verwechslung und kann einen recht guten Grund vorbringen: Er saß beim Derby in Sektor 4, also auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions. Wie der Verein gerade auf ihn komme, könne er sich beim besten Willen nicht erklären. Aufgrund der Entfernung zu Wien bat er uns um Unterstützung bei der Aufklärung des Falls. Wir sind dran...

Wir möchten dabei betonen: Dort wo Fehler passiert sind, zeigten sich Vertreter des SK Rapid letztendlich einsichtig und hoben die völlig zu Unrecht verteilten Hausverbote wieder auf. In drei weiteren Fällen haben sich Rapidler bei uns gemeldet, die korrekt ausgeforscht wurden, sich für ihr Verhalten verantworten müssen und dies auch tun.

Abschließend möchten wir anmerken, dass keiner der oben geschilderten Personen mit den aktiven Gruppen des Block West in Verbindung steht, dort Mitglied ist oder als Ultra zu bezeichnen wäre. Umso mehr glauben wir, dass diese Menschen unsere Unterstützung verdienen und Strafen gegen sie unbedingt verhältnismäßig sein müssen.

Möglicherweise waren diese Fälle nur die Spitze des Eisbergs. Wir wissen es nicht. Wir möchten daher an dieser Stelle auch nochmals den Aufruf starten: Meldet euch bei uns wenn ihr Briefe von Verein, Polizei oder Behörden bekommt. Es ist nie zu spät, um sich für Gerechtigkeit einzusetzen!

„Irgendwos is imma“

Aussendung der Rechtshilfe Rapid zu den aktuellen Debatten rund um den SCR


Die Rechtshilfe Rapid lehnt Kollektivstrafen entschieden ab. Wir werden gegen diese Sippenhaft ebenso ankämpfen wie gegen angekündigte Regressforderungen von Verbandstrafen.

 


Beim letzten Wiener Derby kam es zu einer 10-minütigen Spielunterbrechung. Einzelne Besucher haben dabei Fairness und Sportsgeist vermissen lassen und mit unlauteren Mitteln auf das Geschehen am Rasen eingegriffen. Spieler des FK Austria Wien verweigerten das Weiterspielen, weshalb Schiedsrichter René Eisner die Begegnung unterbrach. Dennoch konnte das 325. Wiener Derby im Anschluss bedenkenlos zu Ende gespielt werden. Die Aufregung, die seither herrscht, erinnert aufgrund ihrer Dauer und Intensität schon beinahe an den Platzsturm im Jahr 2011 – allerdings ist diesmal im Vergleich so gut wie gar nichts passiert.  
In der Anmoderation eines ZIB 2-Beitrags sprach Armin Wolf sogar davon, dass dieses Derby in jedem anderen Land abgebrochen worden wäre. Es wird mit Superlativen um sich geworfen, die in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Ereignissen stehen. Auch Michael Krammer hat den Diskurs weiter in dieselbe Richtung getrieben. Er sprach in einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz davon, dass eine „rote Linie überschritten wurde“ und signalisierte, dass nun hart durchgegriffen werden müsse. Die Bundesliga ist dieser Bitte des Rapid-Präsidenten gerne nachgekommen und hat unseren Klub erneut besonders heftig bestraft. Das Strafausmaß begründete der Senat 1 dabei sogar mit Zitaten unseres Präsidenten. Eines ist jedenfalls gewiss: Abgesehen von den Medienunternehmen gibt es in dieser Angelegenheit nur Verlierer. Nach zahlreichen Hintergrundgesprächen wollen wir hiermit einige Aspekte genauer betrachten, die in der bisherigen öffentlichen Diskussion gekonnt ignoriert wurden.


Wie gerecht sind die ausgesprochenen Strafen?


Einmal mehr wählt der Senat 1 der Bundesliga eine Strafe, die sich gegen unbeteiligte Fans richtet. Tausende Rapid Abonnenten sollen ausgesperrt werden. Es heißt neuerlich „Mitgehangen, mitgefangen“ – und das für über 10.000 Menschen, die sich nichts zu Schulden kommen ließen. Das Ziel scheint klar: Die Fans des SK Rapid sollen gegeneinander ausgespielt werden. Offensichtlich ist es aber noch immer nicht bis zur Bundesliga durchgedrungen, dass eine derartige Sippenhaft in einer demokratischen Gesellschaft nichts verloren hat. Das hat mittlerweile selbst der DFB eingesehen - in Deutschland sollen Kollektivstrafen in Zukunft der Geschichte angehören. Niemals zuvor hat die Bundesliga eine derart hohe Strafe ausgesprochen. Vergleicht man diese mit ähnlichen Ereignissen, wird das Ausmaß offensichtlich: Feuerzeugwürfe werden zumeist gänzlich ignoriert, während diese nach dem Derby eine Sektorsperre und 50.000 Euro Strafe bedeuten. Ein Flitzer in Ried zog vor Kurzem 1.000 Euro Strafe nach sich. Im Vergleich dazu kosteten die beiden „Flitzer“ gegen Ende des Spiels den SK Rapid 45.000 Euro. Es liegt uns fern, mit dem Finger auf andere zu zeigen; allerdings gab es in dieser Saison auch bei anderen Vereinen zahlreiche vergleichbare Vorfälle. Denen wurde jedoch wenig bis keine Beachtung geschenkt - sowohl von den betroffenen Spielern als auch von Medien und Strafsenaten. Gegenüber dem SK Rapid wird also mit zweierlei Maß gemessen, soviel steht fest.


Wohin verschwindet das ganze Geld?


Über die verhängten Strafen wurde in den letzten Jahren deutlich mehr berichtet als über sportliche Erfolge. Die Verantwortlichen des SK Rapid wollen diese Verbandsstrafen nun erstmals von Fans regressieren. Doch wohin fließen diese horrenden Summen eigentlich und wozu wird das Geld verwendet? In den Sicherheitsrichtlinien findet sich dazu Folgendes:
„Die vom Senat 1 gegen Klubs verhängten Geldstrafen wegen Verstößen gegen die Sicherheitsrichtlinien […] fließen in den Sicherheitstopf. Über Antrag der Klubs gibt der Senat 3 Empfehlungen über die Vergabe der Mittel, die von den Klubs ausschließlich für Sicherheitsmaßnahmen verwendet werden dürfen, an den Vorstand der BL.“  Die Einnahmen aus den Strafen sind also zweckgebunden und werden demnach wieder an die Klubs ausgeschüttet. Selbst das Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien hat 2011 entschieden, dass ein Verein die ihm auferlegte Verbandsstrafe nicht auf den Zuschauer überwälzen darf, selbst wenn dieser mit seinem Verhalten die Strafe verursacht hat. Zweck der Verbandsstrafe ist es nämlich, die Vereine zu angemessenen Sicherheitsvorkehrungen zu veranlassen und damit Störungen durch Zuschauer überhaupt zu verhindern.
Anstatt die Verbandsstrafen von Fans zurückzufordern, sollte der SK Rapid daher vielmehr danach trachten, sich das Geld aus dem sogenannten Sicherheitstopf zurückzuholen. Ob er dies nicht auch jetzt schon macht, wissen wir leider nicht, denn die Verteilung dieser Strafgelder erfolgt völlig intransparent. Während es die Strafhöhen stets in die Medien schaffen, hüllt man über die daraus wieder verteilten Gelder den Mantel des Schweigens. Die Rechtshilfe Rapid ist sich nach intensiver rechtlicher Auseinandersetzung mit dem Thema Regress von Verbandsstrafen sicher:  Eine Überwälzung von Verbandstrafen an einzelne Fans ist aus juristischer Sicht nicht möglich.
Wir werden uns jedenfalls mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln dagegen wehren, dass durch Regressforderungen des eigenen Vereins Existenzen von Menschen zerstört werden!

Wer sind die Nutznießer dieser Causa?


Der österreichische Fußball wird von Saison zu Saison bedeutungsloser. Es verirren sich immer weniger Menschen in die Stadien. Das lässt sich durch Statistiken sehr einfach belegen. Nicht umsonst sucht die Bundesliga nach Lösungen, wie man den Bewerb künstlich attraktiver gestalten kann, um wieder mehr Zuschauer anzulocken. Absurderweise richtet sich die Bundesliga mit ihren Kollektivstrafen gegen Fans ausgerechnet stets gegen jenen Verein, der mit dem höchsten Zuschauerschnitt die Sinnhaftigkeit der Liga halbwegs rettet. Eigentlich müsste der SK Rapid von den Ligaverantwortlichen hofiert werden. Eigentlich…  
Ein Blick in die Geschichte der Wiener Derbys eröffnet einen weiteren Aspekt, der in diesem Zusammenhang nicht außer Acht gelassen werden sollte:  Schon vor 100 Jahren waren die Amateure (Anm. seit 1926 „Austria“) sehr dahinter, den Ruf des SK Rapid medial zu zerstören. Die Brisanz und Rivalität des Wiener Derbys fußen nunmal auch auf der Gegnerschaft abseits des Rasens. Aktuell bedient sich der FAK dieser Taktik wieder besonders eifrig. Nicht zuletzt im Wissen, dass der Stadtrivale in Beliebtheit und Zuschauerzuspruch schon längst außer Reichweite ist. Der Zusammenhalt und Gemeinschaftsgeist bei Rapid sind dem Stadtrivalen offenbar ein Dorn im Auge.
Das Zündeln hinsichtlich des Rekordmeistertitels ist daher ebenso Teil dieser Strategie wie die Kampagne „Stolz beim richtigen Klub zu sein“, die nichts anderes ist als ein Anti-Rapid-Marketinggag. Zweifelsohne ist es aktuell für die Verantwortlichen in Favoriten sehr einfach, diesen Spin aufrechtzuhalten, da man ihnen in Hütteldorf einen Elfmeter nach dem anderen auflegt. Als Rapidler können wir daher nur an alle Grün-Weißen appellieren: Tut der Wiener Austria nicht den Gefallen, ihnen durch euer Zutun immer weiteren Stoff für dieses Spiel zu liefern.


Was bringt die Zukunft?


Die Stoßrichtung ist offenkundig: Noch mehr, noch höhere und noch härtere Strafen. Die mächtigen Herren im österreichischen Fußball sitzen neuerlich einem Trugschluss auf, denn dadurch ändert sich nichts. Seit Jahrzehnten ist Repression der einzige Lösungsansatz für Probleme mit Fußballfans - ohne erkennbaren Erfolg.
Der Fußball, den wir lieben, lebt von Emotionen. Diese sind meistens positiv, sie können aber auch ins Negative ausschlagen. Ignoriert man diese Tatsache, verhindert man jegliche sinnvolle Diskussion. Wir wagen daher die Prognose: Irgendwas wird immer passieren. Es liegt an allen Beteiligten einen vernünftigen und gangbaren Weg zu finden, wie mit Problemen umgegangen wird. Innerhalb der Fanszene, im Verein, seitens der Bundesliga, in den Medien und seitens der Staatsgewalt.


„Herst, wer hat denn da den Auftrag gegeben, welcher Narr?“

Nach dem 323. Wiener Derby sorgte eine völlig überforderte Polizei vor dem Gästesektor für eine gewaltvolle Eskalation. Es wurden mehrmals wahllos Schlagstöcke und Pfefferspray gegen friedvolle Rapid-Fans eingesetzt. Die RHR wird rechtliche Schritte gegen den unverhältnismäßigen Einsatz einleiten und bittet Rapidler und andere Zeugen um ihre Mithilfe.

Der nachfolgende Bericht basiert auf Infos von mehreren Zeugen, die uns verschiedene Situationen unabhängig voneinander identisch berichteten. Aktivisten der RHR waren zudem selbst Zeugen mehrerer Übergriffe.

Bei der Abreise der Fans aus dem Sektor F fuhr plötzlich eine Kolonne von etwa fünf Mannschaftswägen der Polizei mit hoher Geschwindigkeit durch eine Menschenmenge von Rapidlern in Richtung U2 Station. Ein weiterer Polizei-Bus reversierte daraufhin, ohne dabei Rücksicht auf hinter dem Wagen befindliche Fans zu nehmen. Zwei Personen wurden dabei angefahren, woraufhin von Umstehenden auf das Fahrzeug geklopft wurde, um auf die Gefahrensituation aufmerksam zu machen. Während der Fahrer eine kurze Geste der Entschuldigung machte, sprang ein anderer, äußerst aggressiver Polizist aus dem Fahrzeug und rief: „Was wollts ihr Arschlöcher von uns?“. Dadurch entstand rasch eine angespannte Situation und es kam zu Wortgefechten. Wenige Augenblicke später trat Augenzeugen zufolge Einsatzleiter Werner Granig in Erscheinung, der hektisch um sich schrie und von einem Angriff auf die Einsatzkräfte fabulierte. Einen solchen gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Ein Angriff erfolgte allerdings umgehend seitens der Polizisten wodurch die Situation kurzzeitig außer Kontrolle geriet. Dabei wurde gegen umstehende Personen – einschließlich der beiden angefahrenen –  massiv Pfefferspray eingesetzt. 
Dennoch beruhigte sich die Lage rasch, was besonders einigen Rapid-Fans zu verdanken ist, die aufgebrachten Fans und insbesondere aggressiven Beamten signalisierten, sich bitte zu beruhigen.

Die Polizei hatte jedoch offensichtlich immer noch Lust, weitere Angriffe gegen Fans zu unternehmen. Während die aktive Fanszene den Stadionbereich bereits verlassen hatte, begannen die Beamten in Formation auf den Parkplatz vorzurücken. Rapidler, die aufgrund des Verkehrsstaus bei ihren Fahrzeugen darauf warteten, den Parkplatz verlassen zu können, waren nun Ziel der nächsten Welle an Polizeigewalt. Abermals wurde seitens der Einsatzkräfte mit Schlagstöcken und Pfefferspray auf alles losgegangen, was im Weg stand. Der Waffengebrauch wurde davor weder angekündigt, noch wurde ein Grund für den Einsatz genannt. Blieb man stehen, lief man Gefahr, Pfefferspray ins Gesicht zu bekommen oder über die Autos gestoßen zu werden. Bewegte man sich weg, wurde man verfolgt und beschuldigt flüchten zu wollen. 
Was Ziel des Einsatzes gewesen sein sollte, war zu keinem Zeitpunkt ersichtlich. Ob die Eskalation gewollt war oder sie lediglich eine Folge der eigenen Unfähigkeit war, mit größeren Menschenansammlungen umzugehen, können wir nicht beantworten. Die Wiener Polizei stellte jedenfalls einmal mehr unter Beweis, dass sie vollkommen überfordert bzw. nicht gewillt ist, ein ohnehin schwach besuchtes Derby ohne Probleme abzuwickeln. 
Positiv stimmt uns, dass sich der Großteil der Rapid-Fans trotz heftiger verbaler und körperlicher Angriffe besonnen verhielt und die zahlreichen Provokationen ignorierte. Nur das verhinderte die offenbar herbeigesehnte größere Eskalation.

Nach dem skandalösen Einsatz am Parkplatz kam WEGA Kommandant Ernst Albrecht an den Ort des Geschehens und richtete an die durchführende Einsatzeinheit eine berechtigte Frage:
 
Wir werden diesen Einsatz jedenfalls nicht so auf uns sitzen lassen und bitten euch dabei um eure Mithilfe: Dokumentiert eure Verletzungen und fertigt ein Gedächtnisprotokoll der Ereignisse an. Falls ihr Zeugen von Übergriffen geworden seid oder Aufnahmen von solchen besitzt, meldet euch bitte so rasch wie möglich bei uns oder sendet eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Bedenklich stimmt uns einmal mehr die Art und Weise, wie mehrere Medien die Presseaussendung der Polizei unhinterfragt übernommen und verbreitet haben. Denn anders als medial dargestellt, ging die Eskalation eindeutig von der Polizei aus. 
Allen verletzten Rapidlern wünschen wir eine gute Besserung.

Der Rapid-„Fan“ in den Medien: The never ending story

Es ist ein uralter Konflikt, der aktuell wieder neu aufgewärmt wird. Medien gegen Rapid-Fans. Rapid-Fans gegen Medien. Dabei wird auf bewährte Mittel zurückgegriffen. Wie Rapid-Fans in den österreichischen Medien geframt werden. Ein Fallbeispiel.

Der Block West hat im Spiel gegen den SK Sturm mit größtmöglicher Provokation die Konfrontation gesucht. Die Kurve hat die letzten Jahrzehnte gelernt, dass sie nur durch Übertreibung eine mediale Aufmerksamkeit erreicht. Die Reaktionen auf die verbale Zuspitzung auf dem gezeigten Spruchband kamen prompt und waren zugleich überaus entlarvend. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der (unsachlichen) Kritik an der Berichterstattung der letzten Wochen gab es nicht; was jedoch folgte, war eine Aufforderung in einem offenen Brief an Rapid- Präsident Michael Krammer. „Wir erwarten uns eine eindeutige öffentliche Klarstellung und Entschuldigung im Sinne einer weiteren konstruktiven Zusammenarbeit“, so Hans Peter Trost von Sports Media Austria. Welche Konsequenzen es für den SK Rapid gegeben hätte, wäre diese Entschuldigung nicht erfolgt, wird im Brief nicht erklärt. Das sagt über das Selbstverständnis der Vereinigung der österreichischen Sportjournalisten so einiges aus. Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass die Stellungnahme der vereinten Hütteldorfer Fanszene bislang weitestgehend ignoriert wurde. Aktive Beteiligung der Fans am Vereinsleben wird von Journalisten nicht gern gesehen. Der Rapid-Fanszene wird ohnehin längst zu viel Einfluss attestiert. Die Antworten auf die Stellungnahme der Rapid-Fanszene standen bereits in Form der nächsten Schlagzeilen über Rapidler bereit.

„Hitler-Gruß: 18 Monate Haft für Rapid-Fan“ stand groß auf der Titelseite der Gratiszeitung Österreich – direkt unter der Nachricht, dass der „Terror-Lenker“ von Barcelona erschossen wurde.

Derart prominent ist die Berichterstattung darüber nicht überall. Dafür wird dieser Prozess völlig offen mit dem Spruchband vom Samstag in Zusammenhang gesetzt. So beginnt der Bericht im Standard überaus süffisant: „Die ‚Ultras Rapid‘, fanatische Anhänger des in der Vergangenheit recht erfolgreichen Fußballklubs Rapid, fühlen sich derzeit ungerecht behandelt“. Ein Mann wurde der nationalsozialistischen Wiederbetätigung überführt und dafür schuldig gesprochen. „Entlarvt wurde der 39-jährige, der Mitglied beim Fanklub ‚Ultras Rapid‘ ist, durch Aufnahmen aus der Überwachungskamera im Stadion“, schreibt die Tageszeitung Österreich.

Offenbar hat der Angeklagte vor Gericht behauptet, sein Tattoo mit den Ziffern „88“ hätte er aufgrund seiner Mitgliedschaft bei Ultras Rapid, die 1988 gegründet wurden. „Man kann auch bei den ‚Ultras‘ und Neonazi sein. Theoretisch“, habe Richter Ulrich Nachtlberger laut APA eingeworfen. Eine Geschichte, die für die Leserschaft schlüssig klingt, von sämtlichen Medien ähnlich lautend erzählt wird und wunderbar in die aktuellen Debatten über Rapid-Fans passt. Eigentlich.

Wir haben daher versucht die Arbeit zu erledigen, die eigentlich von Journalisten verrichtet wird. Denn obwohl es die Geschichte sogar auf die Titelseiten geschafft hat, gab es weder beim SK Rapid noch bei Ultras Rapid oder uns Medienfragen zu besagter Person. Also haben wir erstmal bei mehreren langjährigen Mitgliedern von Ultras Rapid nachgefragt, wer denn dieser verurteilte Rapidler sein könnte. Nur leider kennt niemand einen „Hannes S.“ Wir haben weiter nachgebohrt. Mitgliederlisten wurden durchforstet. Auch hier wurde schnell klar: Ein Mitglied mit dem Namen Hannes, dessen Nachname mit S. beginnt existiert nicht. Selbiges erfährt man bei allen anderen aktiven Fangruppen des Block West. Ebenso wenig ist die Person Abonnent oder Mitglied des SK Rapid. Man kann aus unserer Sicht also recht nüchtern feststellen: Dieser Hannes S., der vom SK Rapid nach dem Vorfall zu Recht ein Hausverbot bekam, hat mit der organisierten Fanszene des SK Rapid nichts zu tun.

Der Bericht eignet sich jedoch hervorragend für die gezielte Stimmungsmache der letzten Tage und Wochen. Sports Media Austria hat es in dem offenen Brief an Michael Krammer selbst festgestellt: Journalisten sind nicht frei von Fehlern. Wir stellen uns jedoch eine zentrale Frage: Ist es Zufall, dass die immer gleichen Fehler auf die immer gleiche Art und Weise gegen die immer gleichen Leute begangen werden oder steckt vielleicht doch eine Strategie dahinter? Auch das könnte eine Frage sein, der findige Journalisten auf den Grund gehen könnten. Mit der Arbeit darf ab sofort begonnen werden. Wir wünschen frohes Schaffen.

zurck