Hausverbote im neuen Zuhause

Es wird wieder ruhiger in der Feuerzeug-Affäre rund um das letzte Wiener Derby. Wir wollen daher die Gelegenheit nutzen, um ein wenig von unserer Arbeit in den vergangenen Wochen zu berichten. Das ist uns auch deshalb so wichtig, weil wir erkennen müssen, dass immer wieder eine kritische Frage an uns gestellt wird: „Warum setzt ihr euch für diese Leute ein?“

Die Rechtshilfe Rapid kämpft seit jeher für eine faire Behandlung von Fußballfans gegenüber Verein, Liga, Polizei und Justiz. Dabei ist es für uns nebensächlich, ob jemand ein Fehlverhalten an den Tag gelegt hat oder nicht – alle sollen gerecht behandelt werden. Der SK Rapid hat sich nach den Vorfällen beim Derby dazu entschlossen, selbst aktiv Hausverbote zu verteilen und die Daten der Betroffenen weiterzuleiten. Angetrieben vom „öffentlichen Druck“ ist dabei offensichtlich einiges schief gelaufen. Anhand von vier von uns bekannten Fällen können wir an dieser Stelle ein differenziertes Bild skizzieren, das so manchem Kritiker die Augen öffnen könnte:

Fall 1: Als die ersten Briefe an die ausgeforschten „Täterinnen und Täter“ versendet wurden, meldete sich Herr L. (Name der RHR bekannt) bei uns. Er habe ein Hausverbot für 2 Jahre bekommen, sei von den Kameras ausgeforscht worden. Er selbst beteuerte, dass es sich um eine Verwechslung handeln müsse, weil er ganz sicher nichts Verbotenes gemacht hat. Kurzerhand entschlossen sich zwei Aktivisten der Rechtshilfe Rapid mit dem Verein Kontakt aufzunehmen. Anhand des vorliegenden Videomaterials sollte im Beisein von L. die Wahrheit herauszufinden sein. Gesagt getan. Der Termin war schnell vereinbart, der Irrtum wurde bestätigt. Man muss an dieser Stelle festhalten, dass sich der Verein besonders fair verhielt und den Fehler sofort einsah. Ob sich die Liga, an welche die Daten weitergeleitet wurden, auch sofort so einsichtig zeigt, wollen wir hoffen. Wissen tun wir es nicht und es wird bestimmt weitere Korrespondenzen und damit Zeit und Energie brauchen, um den Irrtum auch dort aufzuklären. Gut, Fehler passieren wird man jetzt sagen. Sehen wir auch so. Die sofortige Sanktionierung ohne Vorsprache zeigt aber sehr deutlich, wie sehr sich der SK Rapid bereits vor den Karren des gegen den Block West geifernden Mobs spannen ließ. Zumindest die Chance zur Stellungnahme hätte man gewähren können.

Fall 2: Herr Z. meldet sich per Mail. Auch er hat wie alle anderen zwei Jahre Hausverbot bekommen. Der Grund: Ein Becherwurf. Herr Z. beteuert, dass es sich um einen leeren Bierbecher handelte, den er im Sektor stehend gegen das Schutznetz warf. Aufgrund der - wie man sich denken kann - beschränkten Flugeigenschaften eines leeren Plastikbechers erreichte dieser nie das Feld. Mit den Wurfgegenständen im Eckfahnenbereich hatte dieser sowieso gar nichts zu tun. Das Spiel beginnt also von vorne. Die Rechtshilfe vermittelt für Herrn Z. beim Verein und auch diese Geschichte bestätigt sich. Zwei Jahre Hausverbot für einen leeren Plastikbecher? Unsere Intervention war auch hier erfolgreich und der SK Rapid lenkte ein. Die Entscheidung des Senat 3 bleibt abzuwarten.

Fall 3: Frau M. schildert uns diesen Fall: Sie habe ebenso vom SK Rapid ein Schreiben bekommen. Zwei Jahre Hausverbot. Auch sie spricht von einer Verwechslung, erzählt uns aber, dass sie bereits selbst die Initiative ergriffen hatte und in einem Termin beim Verein das Missverständnis ausräumen wollte. Sie selbst beschreibt uns den Termin wie ein Verhör, in dem zwar die Einsicht reifte, dass es Frau M. nicht gewesen sein konnte, sie aber die wahre Täterin kennen musste. Frau M. wurde unter Druck gesetzt, dass ihr Hausverbot nur aufgehoben werde, wenn sich die echte Schuldige beim Verein meldet.
Das geschah dann auch. Frau H. meldete sich und beteuerte, dass sie den Fehler sehr bereue, sie stark betrunken gewesen sei und es nun aber nicht mehr rückgängig machen könne und die verhängte Strafe akzeptieren werde.
Frau M. bat die Rechtshilfe Rapid im Zuge ihres Schreibens Frau H. bei einem etwaigen Gespräch mit dem Verein zu begleiten, da sie für ihre Bekannte eine solche Situation, wie sie sie erlebt hatte, vermeiden wolle.

Fall 4: Zwei Tage später meldet sich Herr P. aus Oberösterreich. Das Spiel beginnt von vorne: Zwei Jahre Hausverbot aufgrund eines Wurfgegenstandes. Herr P. sieht eine Verwechslung und kann einen recht guten Grund vorbringen: Er saß beim Derby in Sektor 4, also auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions. Wie der Verein gerade auf ihn komme, könne er sich beim besten Willen nicht erklären. Aufgrund der Entfernung zu Wien bat er uns um Unterstützung bei der Aufklärung des Falls. Wir sind dran...

Wir möchten dabei betonen: Dort wo Fehler passiert sind, zeigten sich Vertreter des SK Rapid letztendlich einsichtig und hoben die völlig zu Unrecht verteilten Hausverbote wieder auf. In drei weiteren Fällen haben sich Rapidler bei uns gemeldet, die korrekt ausgeforscht wurden, sich für ihr Verhalten verantworten müssen und dies auch tun.

Abschließend möchten wir anmerken, dass keiner der oben geschilderten Personen mit den aktiven Gruppen des Block West in Verbindung steht, dort Mitglied ist oder als Ultra zu bezeichnen wäre. Umso mehr glauben wir, dass diese Menschen unsere Unterstützung verdienen und Strafen gegen sie unbedingt verhältnismäßig sein müssen.

Möglicherweise waren diese Fälle nur die Spitze des Eisbergs. Wir wissen es nicht. Wir möchten daher an dieser Stelle auch nochmals den Aufruf starten: Meldet euch bei uns wenn ihr Briefe von Verein, Polizei oder Behörden bekommt. Es ist nie zu spät, um sich für Gerechtigkeit einzusetzen!

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