Der Rapid-„Fan“ in den Medien: The never ending story

Es ist ein uralter Konflikt, der aktuell wieder neu aufgewärmt wird. Medien gegen Rapid-Fans. Rapid-Fans gegen Medien. Dabei wird auf bewährte Mittel zurückgegriffen. Wie Rapid-Fans in den österreichischen Medien geframt werden. Ein Fallbeispiel.

Der Block West hat im Spiel gegen den SK Sturm mit größtmöglicher Provokation die Konfrontation gesucht. Die Kurve hat die letzten Jahrzehnte gelernt, dass sie nur durch Übertreibung eine mediale Aufmerksamkeit erreicht. Die Reaktionen auf die verbale Zuspitzung auf dem gezeigten Spruchband kamen prompt und waren zugleich überaus entlarvend. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der (unsachlichen) Kritik an der Berichterstattung der letzten Wochen gab es nicht; was jedoch folgte, war eine Aufforderung in einem offenen Brief an Rapid- Präsident Michael Krammer. „Wir erwarten uns eine eindeutige öffentliche Klarstellung und Entschuldigung im Sinne einer weiteren konstruktiven Zusammenarbeit“, so Hans Peter Trost von Sports Media Austria. Welche Konsequenzen es für den SK Rapid gegeben hätte, wäre diese Entschuldigung nicht erfolgt, wird im Brief nicht erklärt. Das sagt über das Selbstverständnis der Vereinigung der österreichischen Sportjournalisten so einiges aus. Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass die Stellungnahme der vereinten Hütteldorfer Fanszene bislang weitestgehend ignoriert wurde. Aktive Beteiligung der Fans am Vereinsleben wird von Journalisten nicht gern gesehen. Der Rapid-Fanszene wird ohnehin längst zu viel Einfluss attestiert. Die Antworten auf die Stellungnahme der Rapid-Fanszene standen bereits in Form der nächsten Schlagzeilen über Rapidler bereit.

„Hitler-Gruß: 18 Monate Haft für Rapid-Fan“ stand groß auf der Titelseite der Gratiszeitung Österreich – direkt unter der Nachricht, dass der „Terror-Lenker“ von Barcelona erschossen wurde.

Derart prominent ist die Berichterstattung darüber nicht überall. Dafür wird dieser Prozess völlig offen mit dem Spruchband vom Samstag in Zusammenhang gesetzt. So beginnt der Bericht im Standard überaus süffisant: „Die ‚Ultras Rapid‘, fanatische Anhänger des in der Vergangenheit recht erfolgreichen Fußballklubs Rapid, fühlen sich derzeit ungerecht behandelt“. Ein Mann wurde der nationalsozialistischen Wiederbetätigung überführt und dafür schuldig gesprochen. „Entlarvt wurde der 39-jährige, der Mitglied beim Fanklub ‚Ultras Rapid‘ ist, durch Aufnahmen aus der Überwachungskamera im Stadion“, schreibt die Tageszeitung Österreich.

Offenbar hat der Angeklagte vor Gericht behauptet, sein Tattoo mit den Ziffern „88“ hätte er aufgrund seiner Mitgliedschaft bei Ultras Rapid, die 1988 gegründet wurden. „Man kann auch bei den ‚Ultras‘ und Neonazi sein. Theoretisch“, habe Richter Ulrich Nachtlberger laut APA eingeworfen. Eine Geschichte, die für die Leserschaft schlüssig klingt, von sämtlichen Medien ähnlich lautend erzählt wird und wunderbar in die aktuellen Debatten über Rapid-Fans passt. Eigentlich.

Wir haben daher versucht die Arbeit zu erledigen, die eigentlich von Journalisten verrichtet wird. Denn obwohl es die Geschichte sogar auf die Titelseiten geschafft hat, gab es weder beim SK Rapid noch bei Ultras Rapid oder uns Medienfragen zu besagter Person. Also haben wir erstmal bei mehreren langjährigen Mitgliedern von Ultras Rapid nachgefragt, wer denn dieser verurteilte Rapidler sein könnte. Nur leider kennt niemand einen „Hannes S.“ Wir haben weiter nachgebohrt. Mitgliederlisten wurden durchforstet. Auch hier wurde schnell klar: Ein Mitglied mit dem Namen Hannes, dessen Nachname mit S. beginnt existiert nicht. Selbiges erfährt man bei allen anderen aktiven Fangruppen des Block West. Ebenso wenig ist die Person Abonnent oder Mitglied des SK Rapid. Man kann aus unserer Sicht also recht nüchtern feststellen: Dieser Hannes S., der vom SK Rapid nach dem Vorfall zu Recht ein Hausverbot bekam, hat mit der organisierten Fanszene des SK Rapid nichts zu tun.

Der Bericht eignet sich jedoch hervorragend für die gezielte Stimmungsmache der letzten Tage und Wochen. Sports Media Austria hat es in dem offenen Brief an Michael Krammer selbst festgestellt: Journalisten sind nicht frei von Fehlern. Wir stellen uns jedoch eine zentrale Frage: Ist es Zufall, dass die immer gleichen Fehler auf die immer gleiche Art und Weise gegen die immer gleichen Leute begangen werden oder steckt vielleicht doch eine Strategie dahinter? Auch das könnte eine Frage sein, der findige Journalisten auf den Grund gehen könnten. Mit der Arbeit darf ab sofort begonnen werden. Wir wünschen frohes Schaffen.

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