Gratiszeitungen erfinden beinahe Tod einer 7-jährigen Rapidlerin

Die Gratiszeitung „Heute" titelt in ihrer Online-Ausgabe vom 13.4.2017 „Bengalos: Mädchen (7) bei Rapid-Match fast erstickt". In der Printausgabe schwadroniert sie sogar davon, dass „Rapid-Rowdies beinahe ein Mäderl töteten". Die Tageszeitung „Österreich“ verbreitet dieselbe Geschichte. Das Problem daran ist aber: Sie stimmt nicht.

 Heute Artikel

In den Artikeln werden Wahrnehmungen einer Tragödie geschildert, die sich am vergangenen Wochenende scheinbar unbemerkt im Auswärtssektor des Rieder Stadions abgespielt haben soll. Unbemerkt, weil natürlich auch wir als Fans dort anwesend waren und wir, wie vermutlich viele andere auch, von diesem Artikel überrascht waren.

So schildert der Autor darin ein „Fan-Drama beim Rapid-Match", ein „Mädchen wäre fast erstickt", das Match „endete beinahe in einer Katastrophe", Zeugenaussagen zufolge „war das Mädchen durch den Rauch schon schwarz im Gesicht" oder „nachdem das Kind durch Bengalos schwer verletzt wurde". Der Text schließt mit der Forderung nach einer harten Bestrafung „dieser Chaoten" und - wie immer - darf natürlich auch eine obligatorische Umfrage zum individuellen Sicherheitsgefühl nicht fehlen, deren Ausgang man sich angesichts der Berichterstattung wohl denken kann.

Jedenfalls haben wir uns den Sachverhalt umgehend näher angesehen und auch den Vater des betroffenen Mädchens kontaktieren können. Dieser hatte den Artikel noch nicht gelesen und er war vom Inhalt beinahe genauso überrascht wie wir.

Richtig ist:

Das Mädchen ist durch das Zünden von grünem Rauch (keine Bengalos) in Minute 15 erschrocken, weshalb der Vater umgehend den Ausgang aufsuchte. Das Verlassen des Sektors konnten auch Aktivisten der Rechtshilfe Rapid beobachten. Dies lief völlig ruhig ab und es konnte weder Atemnot noch ein schwarzes Gesicht am Kind wahrgenommen werden. Jedenfalls begann das Mädchen aber zu weinen und der Vater wollte bei den anwesenden Sanitätern auf Nummer sicher gehen, ob alles in Ordnung ist. Diese schickten das Mädchen zur Kontrolle ins Rieder Krankenhaus, wo umgehend Entwarnung gegeben und keine Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Ein Sanitäter klärt uns dazu auf, dass dieser Ablauf nicht ungewöhnlich ist. Kinder werden vom Rettungsdienst nahezu immer hospitalisiert. Zum einen sind sie nicht reversfähig, zum anderen haben fast alle Sanitäter zu wenig Erfahrung mit Kindern und bei Kindern noch mehr Angst, eine Fehleinschätzung zu machen.

Der Vater fuhr nach der Untersuchung mit der Tochter per Taxi retour zum Stadion, wo beide gegen Spielende eintrafen und danach mit dem Fanbus - so wie bei der Anreise - nach Hause fuhren.

Wir wollen derartige Vorfälle nicht verharmlosen und jeder Zwischenfall ist einer zu viel, doch erfreulicherweise wurde Pyrotechnik beim Auswärtsspiel in Ried sehr verantwortungsbewusst eingesetzt und es kam zu keinen Verletzungen. Wir verwehren uns entschieden gegen diese Form der Sensationsberichterstattung, die neben dem Kampf um Auflage und Klicks nur ein Ziel verfolgt: Fußballfans als Verbrecher zu diskreditieren und Pyrotechnik im Stadion noch schärfer als jetzt zu bestrafen.

Abschließend hat uns der angesprochene Vater noch gebeten im Rahmen dieser Aussendung festzustellen, dass:

- er aus dem Vorfall gelernt hat
- Pyrotechnik im Fansektor aus seiner Sicht dazu gehört

Diesem Wunsch kommen wir gerne nach und wir freuen uns schon darauf die junge Rapidlerin bei nächster Gelegenheit persönlich kennenzulernen.

Rechtshilfe Rapid, 14.4.2017

zurck