Punkte für den prall gefüllten Sicherheitstopf

Die Vereine der Bundesliga halten weiterhin an Kollektivstrafen fest. Neben allen bisherigen Sanktionsmöglichkeiten sind nun Punkteabzüge die nächste Eskalationsstufe. Die Liga ermöglicht dadurch erstmals einen direkten Einfluss des Publikums auf den sportlichen Ausgang der Meisterschaft.

 

 

Die Rechtshilfe Rapid nimmt mit großem Bedauern zur Kenntnis, dass der energische Einsatz gegen Kollektivstrafen nichts genutzt hat. Vielmehr haben die Vereine in der Klubkonferenz eine weitere Verschärfung beschlossen. Bekanntlich versucht man mit dem neuen Ligaformat bereits verzweifelt, mehr Spannung in die Meisterschaft zu bringen. Womöglich gehört diese Sanktionsmöglichkeit ebenfalls zum Konzept, um für mehr Action, Aufregung und Verwirrung zu sorgen, wenn schon der Fußball die Massen nicht begeistern kann…

Gleichzeitig sollen die Vereine dazu ermutigt werden, mehr Einzeltäter auszuforschen. Die Klubs sollen demnach die Arbeit der Polizei übernehmen und können sich bei fleißiger Ermittlungsarbeit eine Strafmilderung erwarten. Damit erweckt die Liga den Anschein, dass sich einzelne Fans nie für Fehlverhalten verantworten hätten müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Stadionverbote werden auch jetzt schon sehr „großzügig“ vergeben. Auch die Polizei straft jede Kleinigkeit mit voller Härte; Verwechslungen, Unverhältnismäßigkeit und Willkür stehen dabei auf der Tagesordnung.

Die Botschaft der Bundesliga scheint klar: „Die Sicherheit im Stadion ist nicht gegeben, daher muss gehandelt werden“. Dabei sind Österreichs Stadien so sicher wie nie zuvor. Vielmehr sinkt das subjektive Sicherheitsgefühl infolge der medialen Überteibung jedes noch so kleinen Zwischenfalls im Zusammenhang mit Fans. Die Signalwirkung an potentielle Stadionbesucher ist fatal. Die Bundesliga schaufelt sich damit ihr eigenes Grab. Selbst hauseigene Studien zeigen, dass der Stadionbesuch bei weitem besser und sicherer ist als sein Ruf: Unter jenen, die regelmäßig Spiele der Bundesliga besuchen, ist das Sicherheitsempfinden höher als unter jenen, die nie ins Stadion gehen und nur die Außendarstellung wahrnehmen. Dass die Verantwortlichen aus ihren eigenen Studien nichts gelernt haben, zeigen nun die Beschlüsse der Klubkonferenz!

Wir hatten in den letzten Jahren den Dialog mit der Bundesliga forciert. Dabei haben wir uns stets konstruktiv eingebracht und versucht den Konflikt zwischen Bundesliga und der aktiven Fanszene des SK Rapid zu beruhigen. Als RHR stellen wir uns nach den jüngsten Entscheidungen die Frage, welchen Sinn derartige Bemühungen machen. Nachdem die Faninteressen bereits bei der Eintrittspreispolitik und der Forderung nach dem Samstag als Hauptspieltag völlig ignoriert wurden, hat man nun auch unser größtes Anliegen hinsichtlich der Abschaffung von Kollektivstrafen nicht berücksichtigt.

Treffen werden die Sanktionen (Geldstrafen, Punkteabzug und Geisterspiele) selbstredend bloß jene Vereine, die auch eine dementsprechende Fanbasis haben. Dort wo mehr Menschen im Stadion sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass etwas unerwünschtes passiert. Klubs, die Menschen ins Stadion bringen und Fanarbeit leisten, müssen finanzielle und nun auch sportliche Nachteile erwarten.

Eine Information darüber, was mit dem Geld passiert, das von den Klubs in den Sicherheitstopf der Bundesliga einbezahlt wird, bleibt diese der Öffentlichkeit weiterhin schuldig. Doch das Thema der finanziellen Transparenz scheint lediglich bei der Verkündung von Verbandsstrafen beliebt zu sein, wenn es darum geht Fans gegeneinander auszuspielen.

Die wahren Herausforderungen bleiben hingegen bloß Randnotizen, wohl aber auch deshalb weil es hier keine Lösungsideen gibt und mit dem Thema Sicherheit Stärke und Handlungsfähigkeit bewiesen werden soll. Wie so oft ist auch hier die Fassade wichtiger als der tatsächliche Inhalt.

Keine Ladung vom BMI

 Das Bundesministerium für Inneres veranstaltet am 6.9.2018 ein Symposium zum Thema „Sicherheit bei Sportveranstaltungen – Pyrotechnik“. Die Rechtshilfe Rapid kann an dem Termin nicht dabei sein, denn FanvertreterInnen wurden schlichtweg nicht eingeladen.

 
Es war absehbar, dass sich die aktuelle Regierung schon bald wieder dem Thema Pyrotechnik annimmt. Immerhin gibt es für sie bei diesem polarisierenden Konflikt wenig zu verlieren, denn letztendlich muss es zu keiner Lösung kommen. Schafft man es Pyrotechnik völlig aus den Stadien zu verbannen (was nun in ganz Europa seit über einem Jahrzehnt erfolglos versucht wird), sieht man sich in der eigenen Linie bestätigt. Schafft man es nicht (was angesichts der zurückliegenden erfolglosen Bemühungen sicher scheint), sieht man sich ebenso auf dem richtigen Weg, den man bloß noch schärfer weiterverfolgen muss.

 

 

Demnach ist es auch wenig verwunderlich, dass wir zu dieser Veranstaltung nicht eingeladen wurden. Aus unserer Sicht hätte es angesichts des Aufbaus dieser Veranstaltung auch keinen Sinn gemacht, sich daran zu beteiligen. Den Standpunkt von Polizei und UEFA kennen wir mittlerweile und auch die Studie von Dr Tom Smith ist hinlänglich bekannt.

Das völlig einseitig besetzte Podium verrät ohnehin längst, wohin die Reise gehen soll – sachliche Diskussionen sind nicht zu erwarten.

Law-and-Order-Politik steht auf der Tagesordnung.

 

 

 

Getroffen hat es die #11 - gemeint sind wir alle

Den Behörden ist in ihrem Kampf gegen Pyrotechnik nichts zu blöd. Neuerlich bekam ein Rapidler für das Zünden einer Bengalfackel eine Strafe. Dieses Mal hat es Steffen Hofmann (Fußballgott) erwischt, der bei seinem überaus emotionalen Abschiedsspiel vor dem Block West Pyro gezündet hat.
 
 

 

Wir freuen uns natürlich, dass Steffen uns das Vertrauen schenkt und er in diesem Verfahren auf die Expertise unseres Kooperationsanwalts Mag. Christian Podoschek setzt. „Eine Gefährdung durch die Fackel, wie sie der Gesetzgeber vor Augen hat, war im konkreten Fall auszuschließen. Außerdem sieht das Gesetz für die Verwendung von Pyrotechnik auf Bühnen, zB in Theatern, Ausnahmen vor. Das könnte man hier ähnlich sehen. Wir werden jedenfalls ein umfassendes Rechtsmittel gegen dieses Straferkenntnis ergreifen.“, so Podoschek.

Wir sind sehr zuversichtlich, dass es gut für ihn ausgehen wird. Wie immer wenn einem Rapidler Ungerechtigkeit widerfährt, werden wir auch in diesem speziellen Fall entschlossen dagegen ankämpfen.

Infos zum Auswärtsspiel in Bratislava

Krawallmedien und ihre verzerrende Interpretation einer BMI-Statistik

 In der letzten Woche wurde ausgehend von der Kronen Zeitung sehr reißerisch über eine „Gewalt-Statistik“ des Innenministeriums berichtet. Die Rechtshilfe Rapid kann entwarnen: Es gibt keinen Anstieg der Gewalt in Österreichs Stadien. Wir liefern nun ebenfalls Zahlen und Fakten, da diese für eine Einordnung der Anzeigenstatistik unabdingbar sind.

 

 Screenshot: oe24.at

 

Diese Statistik wurde für die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des Abgeordneten Christian Kovacevic (SPÖ) an den Bundesminister für Inneres betreffend Sicherheit bei Fußballmeisterschaftsspielen in der Saison 2016/17 erstellt.

Wie schon in den meisten Jahren davor rangiert unser SK Rapid in dieser Statistik ganz vorne, doch wie so oft gilt: Glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht" hast.

Denn natürlich müssten die Zahl der Anzeigen in Relation zu den Gesamtzusehern gesetzt werden, wenn man daraus sinnvolle Schlüsse ziehen will. Da wir wissen, dass jeder dritte Stadionbesucher in der obersten Spielklasse ein Rapid-Fan ist, braucht wohl nicht näher gesagt zu werden, wie sich die Zahlen bei dieser Betrachtung entwickeln. Einen tollen Artikel dazu hat der Klub der Freunde des SCR“ veröffentlicht, den wir an dieser Stelle sehr empfehlen können.

Worum es aber auch geht ist Folgendes: Die permanente Stigmatisierung von Fußballfans im Allgemeinen und von Rapid-Fans im Speziellen führt natürlich dazu, dass die Anzeigenneigung der Polizei gegenüber dieser Zielgruppe viel höher liegt. Übersetzt ausgedrückt: Ein Rapidler steht sowieso im Generalverdacht und wenn dann etwas ist, wird sofort jeder zum Verdächtigen und folglich auch angezeigt.

Hinzu kommt, dass die enormen Polizeiaufgebote bei Spielen des SK Rapid - speziell beim Derby, gegen Sturm oder auch auswärts gegen den LASK usw. - gerechtfertigt werden müssen. Es braucht also Erfolgsmeldungen". Man stelle sich vor, die Polizei rückt mit Hundertschaften und Sondereinheiten aus und niemand wird erwischt oder angehalten. Das würde doch die Kosten nicht rechtfertigen, die solche Großeinsätze unweigerlich nach sich ziehen.

Ein Anstieg von Anzeigen sagt daher nichts über die Realität im Stadion aus. Besonders nicht, da diese eben immer lockerer vergeben werden und Verfahren meist eingestellt werden. Selbst vor Gericht enden diese größtenteils mit Freisprüchen. Wer wirklich daran interessiert ist, ob es in Österreichs Stadien ein Gewaltproblem gibt oder nicht, der muss danach fragen, wie viele Fußballfans auch tatsächlich für die angezeigten Delikte vor Gericht verurteilt werden. Bei wie vielen Fans konnte die Schuld also auch bewiesen werden? Hier können wir als Rechtshilfe Rapid gerne für Aufklärung sorgen. Denn wir haben zur Arbeit in der abgelaufenen Saison eine Statistik erstellt, die ein paar interessante Zahlen zu Tage bringt:

In der Saison wurden der RHR in zehn Fällen gesamt 50 Beschuldigte gemeldet, die nach Paragraphen des Strafrechts angezeigt wurden.

Die bisherige Bilanz:

39 Einstellungen

3 Freisprüche

2 Verurteilungen

6 Verfahren laufen noch

Bei Delikten aus dem Verwaltungsrecht kam es in der Saison bei 53 Beschuldigten zu fünf negativen Entscheidungen. Etliche dieser Verfahren sind allerdings noch nicht abgeschlossen.

In lediglich sieben Fällen konnte Fans des SK Rapid also die zweifelsfreie Schuld nachgewiesen werden. Gemessen an den offiziellen Anzeigenstatistiken der letzten Jahre wurde der Rechtshilfe Rapid in dieser Saison in etwa jeder zweite Fall gemeldet; über die anderen 50% wissen wir nichts, wobei sich im Zuge dessen natürlich auch die Frage stellt, ob diese Personen dann eindeutig einem Fanlager zugeordnet werden können. Außerdem ist davon auszugehen, dass darunter auch viele „kleinere Delikte“ (wie z.B. Wildpinkeln) sind, die vielleicht etwas über fehlende Infrastruktur aussagen, aber nichts über fehlende Sicherheit.

Im Interesse des Fußballs wäre es jedenfalls wünschenswert, wenn sich Medien bemühen würden, eine sachliche Diskussion zu führen. Denn selbst wenn seitens Polizei und Politik stets etwas anderes suggeriert wird, sind Österreichs Stadien sehr sicher.

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