Offener Brief der Rechtshilfe Rapid an das Magazin „Datum“

Gewaltbereite Rapid-Fans sind so mächtig, dass sie den Verein im Griff haben. Zumindest wenn man einer Datum-Story glauben schenken will. Warum wir mit dieser Geschichte ein Problem haben?

 

 

Geschätzte Datum-Redaktion, wir haben einiges zu klären. Während Sie die zu große Macht der Fans kritisieren, erzeugen Sie bei diesen ein Gefühl der Ohnmacht. Die Titelgeschichte aus der letzten Ausgabe Ihres Mediums wurde innerhalb der Rapid-Familie mit einer Mischung aus Verwunderung und Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. Es ist wenig überraschend, dass sich von Ihrem tendenziösen Text sehr viele Fans angesprochen fühlen: Immer wieder vermischen Sie verschiedene Gruppen und lassen Differenzierung vermissen.

Wir haben Ihnen angeboten, für ihre nächste Ausgabe als Reaktion auf ihre Reportage ein Kommentar zu schreiben, um Ihrer Leserschaft andere Sichtweisen und Argumente aufzeigen zu können. Dass Sie daran kein Interesse haben und uns als Alternative angeboten hatten, einen 500 Zeichen langen Leserbrief zu schreiben, bedauern wir leider sehr. Es zeigt einmal mehr, dass im medialen Diskurs längst nicht alle die selben Chancen haben – auch nicht in Publikationen, die sich selbst als progressiv verortet sehen. Glücklicherweise muss öffentliche Kommunikation heutzutage dennoch nicht mehr nur in eine Richtung gehen. Auf den uns zur Verfügung stehenden Kanälen können wir uns nämlich jederzeit selbst ermächtigen, auch wenn wir keine mächtigen Ultras sind.

 

Die Vorgeschichte der Geschichte

Die Arbeit der Rechtshilfe Rapid (RHR) beschränkte sich in den vergangenen Jahren nicht nur auf ihre Kernthemen, nämlich Rapid-Fans im Umgang mit Behörden, Polizei und Justiz zu unterstützen. Wir betreiben immer wieder umfassende Aufklärungsarbeit gegenüber der Öffentlichkeit.

Dabei haben wir auch mit unterschiedlichsten Medien gesprochen: ARD, Deutschlandfunk, Junge Welt, ORF, Der Standard, Ballesterer, Forza Rapid, Kurier, Wiener Zeitung und zuletzt auch der Falter – sie alle stellten Anfragen für Statements an uns und wir haben diesen auch entsprochen. Die Ergebnisse daraus waren für uns natürlich nicht immer zufriedenstellend. Trotzdem wissen scheinbar alle, dass die RHR nur in ganz besonderen Ausnahmen nicht mit Medienvertretern spricht. Sobald es irgendwie um Fans des SK Rapid geht, kommen alle irgendwann zu uns oder werden an uns verwiesen.

Ihre Titelstory war mitunter einer der umfangreichsten Artikeln, die seit unserer Gründung im Jahr 2012 über die Hütteldorfer Fanszene veröffentlicht wurden. Ihr Medium war quasi das Erste, das diesen Weg nicht ging und uns nicht kontaktierte. Da im Rapid-Kosmos untereinander natürlich stets kommuniziert wird, haben wir von den Recherchen daher trotzdem Kenntnis genommen; gewissermaßen waren wir sogar erleichtert, dass unser Senf nicht immer benötigt wird. Naiv wie wir manchmal sind, waren wir aufgrund des guten Rufs Ihres Magazins unbesorgt...

 

Das altbekannte Narrativ

Vor allem reißerische Boulevard-Medien haben uns in der Vergangenheit das Leben schwer gemacht und mit ihren kommerziellen Eigeninteresse ein Bild entstehen lassen, das der Hütteldorfer Fanszene bzw. dem Block West nicht gerecht wird.

Dass seriöse Medien – für die wir das Datum hielten - auf diesen Mainstream aufspringen und auf Basis oberflächlicher Recherchen derartiges liefern, ist für uns schlimmer, als der tägliche Einheitsbrei aus Kriegsrhetorik und Superlativen von den „üblichen Verdächtigen".

Der von Ihnen publizierte Artikel strotzt vor falschen Schlüssen. Der Autor setzt in seinem Faktenfundament auf einer Mischung aus Hörensagen, Vorurteilen und einer oberflächlichen Suchmaschinen-Recherche, die genau jenen Halbwahrheitenverbreitern in die Karten spielt, die diese Inhalte dorthin brachten und sie nun bestätigt sehen.

Wir wissen, dass die Ultras Rapid (UR) ein Interview mit ihnen verweigerten. Angesichts der Textbeiträge von Domenico Jacono und Christoph Peschek in ihrem Artikel war dies wohl auch die richtige Entscheidung. Wir kennen deren Ansichten und Argumente im Bezug auf die von ihrem Redakteur aufgeworfenen Fragen. Ihrer Leserschaft werden diese jedoch vorenthalten. Dafür kommen die beiden in ihrer Reportage ausgesprochen „schlecht weg". Am schwersten wiegt jedoch, dass für diese Geschichte zentrale Aspekte völlig ignoriert wurden.

 

Rapid als Fan- und Mitgliederverein

Die immerwährende und tief bürgerliche Argumentation, die "Proleten von der West" können doch in einem Profiverein keine Mitsprache finden, ist abzulehnen. Vielmehr muss selbst dem eher uninformierten Beobachtern endlich klar werden - und dazu muss man gar nicht tief bohren - dass der SK Rapid als Mitgliederverein mit jährlicher Hauptversammlung schon per Statut dieses Mitspracherecht festschreibt. Auch Ultras sind Vereinsmitglieder - heute mehr denn je.

Als Verein, der Fankultur fördert, hat der SK Rapid seit mittlerweile vielen Jahren immensen und dauerhaften Erfolg - unabhängig von der sportlichen Platzierung. Das ist in Österreich zwar einzigartig, findet aber im Ausland viele Vergleiche. Hier wie dort haben Fans auf Eigeninitiative und als gewachsenes Biotop einen Beitrag geleistet, der gewürdigt werden muss. Rapid ist ein lebendiger, demokratischer Verein. Das ist nicht immer einfach, aber Demokratie ist nun mal oft schwierig. Wie jeder Verein lebt der SCR von der Beteiligung der Menschen, die sich unentgeltlich einbringen. Erst so bekam der Klub seine gesellschaftliche Bedeutung. Eine, die so weit führt, dass Rapid als Aufmacher immer funktioniert.

Zwei Beispiele müssen wir explizit im Detail ansprechen, da diese besonders absurd sind. Um zu illustrieren, was mit oberflächlicher Recherche gemeint ist, braucht man nur die Textpassage zum Ried-Spiel und der darauf folgenden Aussprache zu lesen. Niemand der dort vor Ort dabei war, würde diese Geschichte so erzählen, wie sie in ihrem Artikel erzählt wurde. Nur wenn man nach Halbwahrheiten in einschlägigen Internetforen sucht oder dazu Textbeiträge im Boulevard liest, wird man erzählen, was im Artikel zum Ausdruck gebracht wurde.

Die Art und Weise wie es zu dieser Aussprache kam ist beispiellos. Warum? Weil in Absprache mit Spielern und Verein ein Ventil für Unmut geschaffen wurde, das Gewalt ausklammerte und sachliche Argumente zuließ. Das ist gelebte Demokratie und wurde von Trainern, Spielern und Funktionären mehrfach öffentlich gelobt und angesichts der damaligen Situation gemeinsam als beste Lösung erachtet.

Wie es zudem passieren kann, dass eine Person, die eine Strafe verbüßt hat und völlig losgelöst davon immense Leistungen für die Fankultur des SK Rapid - und damit auch für den Verein selbst - erbracht hat, derart (wenn auch anonymisiert) an den Pranger gestellt wird, entzieht sich unserer Vorstellungskraft. Wer an den Rechtsstaat glaubt, muss auch an die Rehabilitation von Straftätern glauben. Dauerhafte Stigmatisierung gehört jedenfalls nicht zu den Grundwerten einer rechtsstaatlichen Gesellschaft.

 

Journalisten - Alarmisten

Im Grunde wurden nun die Vorbehalte der Fanszene gegenüber Medien neuerlich bestätigt. Die Materie war wohl zu komplex, um sie von einem vorurteilsbehafteten Laien in Teilaspekten wiedergeben zu lassen. Zumindest sollte man als Journalist erkennen, wann der Stoff für eine gute, stringente Geschichte eben nicht reicht, weil das Konzept während der Recherche zusammenbricht. Selbst dann spricht nichts gegen einen kritischen Text. Ein solcher sollte aber nicht nur oberflächliche Stereotypen wieder kauen, sondern auch inhaltlich Positionen der beschriebenen Akteure darlegen und im besten Fall auch noch etwas Neues liefern. Vermutlich war aber die Grafik für die Titelseite schon fertig, bevor die Recherche begann. Der Text musste eben an die krasse Illustration angepasst werden, damit an der Hauptthese festgehalten werden kann.

Wir erwarten uns von Ihnen keine Richtigstellungen. Nicht für faktisch falsche Behauptungen, nicht für eine Erzählung, die Widersprüche ignoriert und essentielle Tatsachen verschweigt und schon gar nicht für den Subtext, der die Leserschaft durch die flüssige Geschichte führt. Der Schaden ist ohnehin bereits angerichtet. Damit geht es uns nicht um die öffentliche Meinung über Rapid-Fans; die haben sich an solche Texte längst gewöhnt. Besonders UR wird es ohnedies bloß ein Schmunzeln kosten. Es geht um Sie und den Zustand der österreichischen Medienlandschaft. Sie sollen wissen, dass dieser Artikel ein gewaltiger Griff ins Klo war und Ihrer Blattlinie unwürdig ist. Vielleicht werden mit dieser Erkenntnis im Rücken künftig andere verschont. In Zeiten wie diesen bräuchte es nämlich kritischen Journalismus. Auf das Datum und seine Talente kann man dabei leider nicht bauen.

 

Punkte für den prall gefüllten Sicherheitstopf

Die Vereine der Bundesliga halten weiterhin an Kollektivstrafen fest. Neben allen bisherigen Sanktionsmöglichkeiten sind nun Punkteabzüge die nächste Eskalationsstufe. Die Liga ermöglicht dadurch erstmals einen direkten Einfluss des Publikums auf den sportlichen Ausgang der Meisterschaft.

 

 

Die Rechtshilfe Rapid nimmt mit großem Bedauern zur Kenntnis, dass der energische Einsatz gegen Kollektivstrafen nichts genutzt hat. Vielmehr haben die Vereine in der Klubkonferenz eine weitere Verschärfung beschlossen. Bekanntlich versucht man mit dem neuen Ligaformat bereits verzweifelt, mehr Spannung in die Meisterschaft zu bringen. Womöglich gehört diese Sanktionsmöglichkeit ebenfalls zum Konzept, um für mehr Action, Aufregung und Verwirrung zu sorgen, wenn schon der Fußball die Massen nicht begeistern kann…

Gleichzeitig sollen die Vereine dazu ermutigt werden, mehr Einzeltäter auszuforschen. Die Klubs sollen demnach die Arbeit der Polizei übernehmen und können sich bei fleißiger Ermittlungsarbeit eine Strafmilderung erwarten. Damit erweckt die Liga den Anschein, dass sich einzelne Fans nie für Fehlverhalten verantworten hätten müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Stadionverbote werden auch jetzt schon sehr „großzügig“ vergeben. Auch die Polizei straft jede Kleinigkeit mit voller Härte; Verwechslungen, Unverhältnismäßigkeit und Willkür stehen dabei auf der Tagesordnung.

Die Botschaft der Bundesliga scheint klar: „Die Sicherheit im Stadion ist nicht gegeben, daher muss gehandelt werden“. Dabei sind Österreichs Stadien so sicher wie nie zuvor. Vielmehr sinkt das subjektive Sicherheitsgefühl infolge der medialen Übertreibung jedes noch so kleinen Zwischenfalls im Zusammenhang mit Fans. Die Signalwirkung an potentielle Stadionbesucher ist fatal. Die Bundesliga schaufelt sich damit ihr eigenes Grab. Selbst hauseigene Studien zeigen, dass der Stadionbesuch bei weitem besser und sicherer ist als sein Ruf: Unter jenen, die regelmäßig Spiele der Bundesliga besuchen, ist das Sicherheitsempfinden höher als unter jenen, die nie ins Stadion gehen und nur die Außendarstellung wahrnehmen. Dass die Verantwortlichen aus ihren eigenen Studien nichts gelernt haben, zeigen nun die Beschlüsse der Klubkonferenz!

Wir hatten in den letzten Jahren den Dialog mit der Bundesliga forciert. Dabei haben wir uns stets konstruktiv eingebracht und versucht den Konflikt zwischen Bundesliga und der aktiven Fanszene des SK Rapid zu beruhigen. Als RHR stellen wir uns nach den jüngsten Entscheidungen die Frage, welchen Sinn derartige Bemühungen machen. Nachdem die Faninteressen bereits bei der Eintrittspreispolitik und der Forderung nach dem Samstag als Hauptspieltag völlig ignoriert wurden, hat man nun auch unser größtes Anliegen hinsichtlich der Abschaffung von Kollektivstrafen nicht berücksichtigt.

Treffen werden die Sanktionen (Geldstrafen, Punkteabzug und Geisterspiele) selbstredend bloß jene Vereine, die auch eine dementsprechende Fanbasis haben. Dort wo mehr Menschen im Stadion sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass etwas unerwünschtes passiert. Klubs, die Menschen ins Stadion bringen und Fanarbeit leisten, müssen finanzielle und nun auch sportliche Nachteile erwarten.

Eine Information darüber, was mit dem Geld passiert, das von den Klubs in den Sicherheitstopf der Bundesliga einbezahlt wird, bleibt diese der Öffentlichkeit weiterhin schuldig. Doch das Thema der finanziellen Transparenz scheint lediglich bei der Verkündung von Verbandsstrafen beliebt zu sein, wenn es darum geht Fans gegeneinander auszuspielen.

Die wahren Herausforderungen bleiben hingegen bloß Randnotizen, wohl aber auch deshalb weil es hier keine Lösungsideen gibt und mit dem Thema Sicherheit Stärke und Handlungsfähigkeit bewiesen werden soll. Wie so oft ist auch hier die Fassade wichtiger als der tatsächliche Inhalt.

Keine Ladung vom BMI

 Das Bundesministerium für Inneres veranstaltet am 6.9.2018 ein Symposium zum Thema „Sicherheit bei Sportveranstaltungen – Pyrotechnik“. Die Rechtshilfe Rapid kann an dem Termin nicht dabei sein, denn FanvertreterInnen wurden schlichtweg nicht eingeladen.

 
Es war absehbar, dass sich die aktuelle Regierung schon bald wieder dem Thema Pyrotechnik annimmt. Immerhin gibt es für sie bei diesem polarisierenden Konflikt wenig zu verlieren, denn letztendlich muss es zu keiner Lösung kommen. Schafft man es Pyrotechnik völlig aus den Stadien zu verbannen (was nun in ganz Europa seit über einem Jahrzehnt erfolglos versucht wird), sieht man sich in der eigenen Linie bestätigt. Schafft man es nicht (was angesichts der zurückliegenden erfolglosen Bemühungen sicher scheint), sieht man sich ebenso auf dem richtigen Weg, den man bloß noch schärfer weiterverfolgen muss.

 

 

Demnach ist es auch wenig verwunderlich, dass wir zu dieser Veranstaltung nicht eingeladen wurden. Aus unserer Sicht hätte es angesichts des Aufbaus dieser Veranstaltung auch keinen Sinn gemacht, sich daran zu beteiligen. Den Standpunkt von Polizei und UEFA kennen wir mittlerweile und auch die Studie von Dr Tom Smith ist hinlänglich bekannt.

Das völlig einseitig besetzte Podium verrät ohnehin längst, wohin die Reise gehen soll – sachliche Diskussionen sind nicht zu erwarten.

Law-and-Order-Politik steht auf der Tagesordnung.

 

 

 

Getroffen hat es die #11 - gemeint sind wir alle

Den Behörden ist in ihrem Kampf gegen Pyrotechnik nichts zu blöd. Neuerlich bekam ein Rapidler für das Zünden einer Bengalfackel eine Strafe. Dieses Mal hat es Steffen Hofmann (Fußballgott) erwischt, der bei seinem überaus emotionalen Abschiedsspiel vor dem Block West Pyro gezündet hat.
 
 

 

Wir freuen uns natürlich, dass Steffen uns das Vertrauen schenkt und er in diesem Verfahren auf die Expertise unseres Kooperationsanwalts Mag. Christian Podoschek setzt. „Eine Gefährdung durch die Fackel, wie sie der Gesetzgeber vor Augen hat, war im konkreten Fall auszuschließen. Außerdem sieht das Gesetz für die Verwendung von Pyrotechnik auf Bühnen, zB in Theatern, Ausnahmen vor. Das könnte man hier ähnlich sehen. Wir werden jedenfalls ein umfassendes Rechtsmittel gegen dieses Straferkenntnis ergreifen.“, so Podoschek.

Wir sind sehr zuversichtlich, dass es gut für ihn ausgehen wird. Wie immer wenn einem Rapidler Ungerechtigkeit widerfährt, werden wir auch in diesem speziellen Fall entschlossen dagegen ankämpfen.

Infos zum Auswärtsspiel in Bratislava

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